Archive for Dezember, 2009
Das Ende der Hinreise oder: Der Anfang der Rückreise…
by Wiethase on Dez.31, 2009, under Projekt
Unser Ziel hieß Sulina… aber Sulina erreicht man nur mit dem Schiff… mangels er Donauperle sind wir so weit gefahren, wie möglich: bis Dunavatu Jos, etwa 40 Km Luftlinie voon Sulina entfernt… mit gewaltigem Südwestwind, der mich droht von der Straße zu drücken (uns) … Eben eine Ebene (Hochebene) mt freier Fahrt für alle Winde… Die Temperatur ist angenehm (8-15 Grad) und die Straßen voller Überraschungen… Zurück in Tulcea entscheiden wir uns für ein Hotel, das 100 Lei kostet (24,5€)… dort gehen wir shopping (Sylvestermahl) und sind gespannt, wie hier das Sylvesterfest gefeiert wird…. Euch Allen ein schönes 2010!
Das Vorhaben!
Rumaenien! Schoenes Land!
by Wiethase on Dez.30, 2009, under Projekt
Das Haus, in dem wir die Nacht verbrachten, diente es auch als Stundenhotel? Akustische Zeichen lassen darauf schliessen… Wir brechem am eiskalten Morgen auf, Eisglaette hier und da, bis die Morgensonne auch diese vertreibt… In Silistra, der letzten Stadt vor der Grenze zu Rumaenien observieren wir noch einen Fischmarkt mit viel Gemuese und Obst… ein starker Kaffee mit Blaetterteiggebaeck undefinierbarer Provenienz und der Tag ist dein Freund. Sooo viele Leute hier sprechen englisch oder deutsch! Wir erklaeren dies und das und fahren weiter… kurz nachdem wir in Rumaeninen sind, stellen wir beide einhellig fest: dieses Land strahlt ein frohes Leben aus, nach der freundlichen, aber morbiden praesozialistischen Stimmung in den Doerfern Bulgariens… Hier ist auch Armut, aber die ist getragen von Vitalitaet und Leben. Ein paar Doerfer weiter besuchen wir eine orthodoxe Kirche und ein junger Mann fragt, ob er uns helfen kann. Er kann, und zu unserer Freude entpuppt er sich als der Prister dieses Gotteshauses. Er erklaert uns die Grundzuege des griechis-orthodoxen Glaubens; bewirtet uns mit Kaffee und Kaese und begleitet uns noch zum Buergermeister (der leider mit Vorbereitungen fuer Silvester beschaeftigt ist)-… Dann geht es weiter nach Constanta, wo wir endlich einen Ausschnitt des Schwarzyen Meeres erhaschen, aber kein bezahlbares Hotel… also weiter Richtung Tulcea, und nach 15 Kilometern steuern wir ein nahezu verlassenes Hotel an, das unseren Preisvorstellungen entspricht (in Ovidiu Hotel “Herberth’S” – uebrigens ein deutscher Besitzer!) …wir mieten uns ein, kaufen n0ch was Essbares fuer den Abend und sind endgueltig reif fuer die Nacht… Morgen ist Silvester… falls wir kein Netz haben: einen Guten Rutsch fuer Simon, Joris, Isabel, Renate, Edgar, Uta, Ingeborg, Nalini, Mathilde, Hans, Julia, Florian.
Die besten Wuensche und alles Liebe und Gute fuers Neue Jahr von Andreas fuer Lukas, Kira, Niklas, Tina, Sanne und Shorty plus Familie, seine Mama, Kurt den “Engel” aus Wien und alle Freunde und Bekannten, die an uns denken und uns bei dieser Tour unterstuetzen! EIN GUTES NEUES JAHR – GESUNDHEIT, GLUECK UND ZUFRIEDENHEIT!!
Das Vorhaben!
Ein großer Sprung Richtung Meer
by Wiethase on Dez.29, 2009, under Projekt
Nach einem Frühstück mit Schinkenomelette setzen wir zum Sprung in Richtung Meer an: wir wollen es heute mindestens bis Russe schaffen, um Sylvester am Schwarzen Meer zu verbringen… dazu nehmen wir Hauptstraßen, weil die Strecke sonst nicht an einem tag zu schaffen ist. Wir fahren durch eine endlos weite Hochebene. In der Ferne schneebedeckte Berge, die Pfützen am Straßenrand gefroren. Die Felder sind unglaublich groß… sozialistische Planwirtschaft bringt sowas fertig… kilometerweit kein Haus, kaum ein Strauch, Bäume nur entlang der Straße… die wenigen Dörfer sind durch die „ modernen Zeiten“ ausgedörrt, wie verlassen… wer geblieben ist, kann den Verfall nicht aufhalten… streunende Hunde, Eselfuhrwerke, vereinzelt winkt man uns zu, die Straße verleitet zum Rasen… ab und zu Polizei, Radar, viele Lastzüge, kilometerlang geradeaus, die Daumen werden eiskalt… romantisches Reisen sieht anders aus, aber: wat mutt, dat mutt! Und dann fordert Andreas eine Kaffeepause ein und wir landen in einem „Restaurant“ an der Straße, türkische Bulgaren arbeiten hier ohne Speisenkarte und wir sind begeistert von den freundlichen Leuten, essen was sie uns frisch zubereiten und ich bin erst sauer, als ich bezahle: umgerechnet lockere 18 €. Unsere Sprachkenntnisse sind zu klein für gezielte Empörung über die Abzocke und ich folge Andreas´ Rat und „lasse los“… Russe ist eine quirlige Megastadt und ein Hotel wirbt mit „nur“ 18 € pro Bett. Nein danke! Unsere Reisekasse muss noch für die Heimreise herhalten! Also weiter Richtung Meer und Donau… Inmitten fer endlosen Weite eine Kneipe, auf deren Schild ein Bett zu sehen ist. Wir machen halt und ich erfrage den Preis: 20 Lev (10 €) für zwei deutsche Motorradfahrer sind unschlagbar! Wir bezahlen, keine sonst übliche Passprozedur: es geht also auch so! Das Zimmer ist schön, warm und in der Kneipe, die sich mehr und mehr füllt, gibt es sogar minutenweise Internet… stop and go and stop… und Bier und Hühnerleber mit Zwiebeln sind sehr gut und beinahe billig. Nachdem wir heute mehr als 300 km auf den bikes abgearbeitet haben, werden wir bestimmt wieder hervorragend schlafen.
Das Vorhaben!
Landratsamt und Leichenzug
by Andreas on Dez.28, 2009, under Projekt
Das Wetter überrascht uns heute wieder mit Sonnenschein und deutlichen Plus-Graden: zwischen fünf und acht Grad schwankt das Thermometer über den Tag. Wir schauen heute als erstes bei der “Provinz-Regierung” – bei uns etwa das Landratsamt – vorbei und werden auch gleich von der Pressereferentin Desislava Vasileva sowie der Kulturreferentin Ralitsa Ivanova empfangen. Die beiden hören sehr interessiert den Erklärungen zu unserem Projekt und der Tour zu und werden unsere Einladung sehr gerne an Medien, Organisationen, Vereine und dgl. weitergeben.
Kurz vor Mittag kommen wir aus Vidin weg und machen uns auf den Weg nach Lom. Bereits kurz nach Vidin zeigt sich die Landschaft herb und karg, und auch die zahlreichen kleinen Orte machen eher ein trauriges Bild: Verfallene Häuser, abenteuerliche Straßen und größtenteils fast menschenleer; es wirkt alles ein bisschen traurig. Die Menschen, die wir sehen und treffen, machen allerdings ganz und gar keinen traurigen Eindruck: Größtenteils winken sie uns zu, recken mit einem Blick auf unser Motorräder die Daumen nach oben und sind einfach freundlich!
Selbst der für unsere Vorstellungen etwas skurrile Leichenzug, dem wir am Ortsausgang von Lom begegnen, ist nicht unbedingt von Traurigkeit gekennzeichnet: Der Verstorbene wird auf einem Lastwagen transportiert, auf dem wohl eine seiner nächsten Angehörigen mitfährt; sie ist die einzige in diesem Zug, die wir schluchzend weinen sehen. Die anderen – vorneweg eine kleine Gruppe mit dem Totenkreuz, hinter dem Fahrzeug eine weitere Gruppe mit Musikbegleitung zum Schluss – machen eher den Eindruck, als wär die Zeremonie eine der normalsten Sachen der Welt (was sie ja wirklich auch ist!): Sich unterhaltend, lachend, Zigaretten rauchend gehen sie ihren Weg – und interessieren sich, als sie uns passieren, offensichtlich eher für unsere Motorräder.
Der weitere Weg nach Kozloduy bietet uns ein weiteres Spektrum an sämtlichen Straßenzuständen: von gut asphaltiert bis Schlagloch-übersät reicht die Palette; auch wunderschöne Ausblicke erleben wir auf den Höhenzügen kurz vor der Stadt, die weit über die in der Ebene liegende Donau hinausreichen. Wir sind relativ früh am Nachmittag in Kozloduy, suchen nach einer Unterkunft, die wir im Istar-Hotel auch finden.
Das Vorhaben!
Rainy day…
by Wiethase on Dez.27, 2009, under Projekt
Wie jeden Morgen sitzen wir kurz nach acht Uhr wieder auf den bikes … es nieselt und ist feuchtkalt… dennoch sind wir der Meinung, dass unsere Kleidung das schon aushält… das bisschen Regen… bei dem es aber nicht bleibt… die Strassen werden immer verschneiter und als wir den Golo Brdo erreichen, einen Pass, der bis auf 272 Meter erhebt, fragen wir uns, wie das weiter gehen soll. Bisher mussten wir nur frischen Geröllmuren ausweichen, die der Regen über Nacht ausgelöst hat und jetzt dieser Schneeematsch mit festen Eisbänken und der Schneeräumer fährt in die falsche Richtung. Wir kriech-schleich-rutschen die Strasse hinauf und wieder hinunter, nicht wissend, was uns noch erwartet. Vergnügen sieht anders aus. Dann endlich eine Kleinstadt: Kladovo. Wir sind halb erfroren, weil unsere Winterhandschuhe alles sind, nur nicht wasserdicht (also die Euros nicht wert, die sie gekostet haben). Ohne Griffheizung ist sowas gar nicht zu machen… Wir steuern ein Hotel dieses, dank des Sonntages, sehr stillen Städtchens an, um uns aufzuwärmen. Ich schrecke davor zurück, die edlen 4 Sterne-Räume mit unseren Pfützen zu verschandeln, wir gehen zu den Mopeds und da spricht uns ein Serbe auf deutsch an. Er führt uns zu einem Caffee-Restaurant, das geöffnet hat, wir trinken Kaffee und lassen uns gerne überreden, Cevapcici und Rasnici zu essen. Als wir, satt und aufgewärmt bezahlen wollen, und das Bier unseres Reiseführers wollten wir auch bezahlen, kommt uns Ljubisa (Lupo) Celenkovic zuvor und begleicht die ganze Zeche! Das zur Gastfreundlichkeit dieser Menschen hier. Dann packen wir die 100 Kilometer bis zum Bulgarischen Vidin an…. und stellen irgendwann fest, dass wir Richtung Beograd fahren. Also runter von der Hauptstraße und Menschen suchen, die uns weiterhelfen. Dabei legt sich Andreas mit seiner BMW kurz in den Strassengraben (um zu beweisen, dass er das Moped auch alleine wieder aufstellen kann? (er kann!))… Und da hier die Hälfte der männlichen Bevölkerung schon in Deutschland gearbeitet hat, kommen wir wieder auf den rechten Weg… leider sind so aus 100 Kilometern 150 geworden und wir endgültig durchkaltnässt. Es wird dunkel, als wir das patschnasse Vidin erreichen. Wir erfragen ein Hotel und finden entnervt das “The old Town”, ein drei Sterne- Haus. Die Besitzer, das Ehepaar Irena und George Aleksandrovi, empfängt uns wie gute Freunde, und obwohl der Zimmerpreis unser Budget überschreitet, beschließen wir hier zu übernachten. Zum Abendessen gibt es Schafskäse, hauseigenen jungen Rotwein und unseren Heindl- Schinken. Wir trocknen unsere durchnässten Sachen und sind froh, hier bei diesen freundlichen Menschen gelandet zu sein. Morgen werden wir versuchen, unseren Matrosenfreund Niki ausfindig zu machen. Vielleicht öffnet er uns die eine oder andere Türe zu einer für uns neuen Welt… und zu einer kostenlosen Übernachtung…
Das Vorhaben!
Radio-Interview und spektakuläre Landschaft
by Andreas on Dez.26, 2009, under Projekt
Gegen 08.00 Uhr kommt Tanja und begleitet mich zur örtlichen Radiostation „Radio Smederevo“. Redakteur Zoran Jovsic nimmt sich viel Zeit für mich und hört sich die Geschichte unseres Projekts an. Er ist begeistert von unserer Unternehmung und will uns auf jeden Fall unterstützen. Er nimmt deshalb stellvertretend meine offizielle Einladung zur Freundschaftswoche im nächsten Sommer bei uns in Passau an und interviewt mich entsprechend, um seiner Hörerschaft das Projekt, das Anliegen und unsere Einladung weiter zu vermitteln.
Als ich zurück zum „MIR“-Hotel komme, hat Hendrik unsere Motorräder bereits aus dem Laden geholt und sich auch noch von Slavica Kuphalt „anmachen“ lassen. Die freundliche Dame, die unsere Zimmernachbarin war, hat ihn angesprochen, weil sie einfach neugierig war: Was sind das wohl für Typen, die da im Winter mit Motorrädern durch die Gegend fahren. Die gebürtige Belgraderin erzählt, dass sie in Hamburg zuhause ist, ihre Wurzeln allerdings in Smederevo liegen. Daher ist sie immer wieder mal hier in ihrer Heimat, um zu relaxen und – wie sie sagt – „die Seele baumeln“ zu lassen.
Für uns hat sie zahlreiche Tipps für unsere Weiterfahrt parat; welche Strecke wir nehmen sollen, was anzuschauen ist, wo wir übernachten können. Als erstes legt sie uns allerdings die Festung von Smederevo ans Herz. Den Tipp haben wir auch schon von Tanja und Zoran bekommen, so dass wir diesen Höhepunkt auf jeden Fall schon auf unserer To-do-Liste hatten.
Zuvor machen wir aber noch einen kleinen Abstecher zu einem nahe gelegenen Friedhof, der durch seine Hanglage und durch sein gesamtes Erscheinungsbild einen Reiz auf uns ausübt. In der Friedhofskapelle findet gerade eine Messe statt – wir drücken uns leise in den Innenraum und sind gefesselt von der Stimmung. Die melancholischen Gesänge gehen echt ans Gemüt! Trotzdem bleiben wir nicht, sondern stehlen uns wieder davon, um uns zur Festung aufzumachen. Die liegt direkt an der Donau und hat beeindruckende Ausmaße, was sie zur (flächenmäßig) größten Festungsanlage Europas macht.
Es ist schon fast Mittag, als wir Smederevo verlassen und uns Richtung Pozarevac auf den Weg machen. Dort kommen wir gerade zur rechten Zeit an, um den großen Auftritt des Weihnachtsmanns miterleben zu können. Der wird in einer Pferdekutsche vorgefahren und ist innerhalb von Sekunden nach seinen Stopp von der Menschenmenge eingekesselt, die ihm die mitgebrachten Geschenke fast schon aus den Händen reißt.
Wir reißen uns los von diesem Massenauflauf und fahren nach Veliko Gradiste. Dort treffen wir wieder auf „unsere“ Donau und folgen von hier wieder ihrem Verlauf. Der führt uns endlich aus der bisher eintönig flachen Landschaft in annähernd hügelig und abwechslungsreichere Regionen. Ab Golubac, wo die gleichnamige Festung wie ein Wächter am Eingang zur größten Schlucht eines Flusses thront, windet sich die Straße auf überraschend gutem Asphalt und richtig schönen Kurven neben der Donau dahin. Ab hier zwängt sich der Fluss auf 110 Kilometer Länge spektakulär durch die Balkanberge auf der rechten Seite und den rumänischen Karpaten-Ausläufern zur Linken.
Wären da nicht die deutlich zunehmenden Schneereste beiderseits der Straße und die nicht ganz so hohen Temperaturen von etwa acht Grad, wir würden kaum auf die Idee kommen, dass wir im Dezember unterwegs sind. Überhaupt: Wir haben mit dem Wetter bisher einfach ein Riesenglück! Und da sind wir sehr froh darüber!!
Gegen 15.00 Uhr erreichen wir Donji Milanovac, wo wir laut Empfehlung von Slavica Kuphalt gut übernachten können. Beim ersten Versuch an der Tankstelle des Orts fallen wir auf einen netten alten herein, der uns bei sich unterbringen will. Das Zimmer ist aber unter aller …. „Eine Stufe nach Zelten“, meint Hendrik und findet 20,00 Euro eine Frechheit dafür. Im einzigen Hotel der Ortschaft wollen sie sogar 60,00 Euro – da schauen wir uns das Zimmer erst gar nicht an.
Wir fahren wieder ins Zentrum, und ich frage in einem Restaurant nach einem Privatzimmer. Die nette Wirtin hat zwar selber keine Zimmer zu vermieten, sie weiß jedoch Rat. „Fünf Minuten warten“, meint sie nach einem kurzen Telefonat. Und tatsächlich kommt ein symphatischer Mann, der uns abholt. Keine 200 Meter weiter sind wir auch schon bei ihm und finden wieder eine super Unterkunft: Großes, sauberes Zimmer; extra Küche sowie Bad und WC. Und fünf Minuten nachdem wir die Motorräder abgepackt und die Sachen aufs Zimmer gebracht haben, sitzen wir auch schon in der Küche von Kaja und Nebojsa Mihajlovic und trinken Kaffee!
Wir sind wieder gut angekommen!
Das Vorhaben!
21 Grad plus und eine 45er-Magnum!
by Andreas on Dez.25, 2009, under Projekt
Gegen 09.30 Uhr kommen wir nach einem ausgiebigen Frühstück (endlich mal wieder Kaffee!!) vom Hotel DUNAV weg. Es ist bedeckt und schon wieder richtig warm: 10°C! Die Grenze nach Serbien ist nur den berühmten “Katzensprung” entfernt, und wir bekommen diesseits der Donau bei der Ausreise unseren kroatischen Stempel in den Reisepass. Am anderen Donauaufer erwartet uns die serbische Grenzkontrolle und mehr ….! Neben dem Reisepass wollen die Beamten auch die grüne Versicherungskarte sehen. Bei Hendrik und seiner KTM ist alles paletti, bei mir stellen die freundlichen Herren fest, dass meine Karte “not valid” ist! Super! Aber da hat mir der Versicherungs”heini” doch tatsächlich eine Karte aus dem letzten Jahrhundert mitgegeben, es ist das Länderkürzel YU für Jugoslawien eingetragen. Von SRB für Serbien weit und breit nichts zu finden! Und ich gutgläubiger Trottel habe die Karte natürlich nicht explizit überprüft, weil ich einfach davon ausgegangen bin, dass ich ein aktuelles Dokument bekomme; – noch dazu, da ich bei der Beantragung besonders darauf bedacht war, alle Donau-Anliegerstaaten besonders zu erwähnen …! Nun gut, jetzt hilft’s nicht, zu lamentieren. Ich erfahre von den Offiziellen: “You have two options: Go back or buy an insurance!” Klar, dass ich nicht zurück will und mir eine Versicherung “aufschwatzen” lasse. Die kostet 70 Euro und ist immerhin 30 Tage gültig. Innerhalb einer halben Stunde ist die ganze Sache jedenfalls erledigt, wir können problemlos nach Serbien einreisen und sind in wenigen Minuten in Backa Palanka.
Es ist hefitger Berufsverkehr, auch auf der Strecke weiter nach Novi Sad; der Grund: in Serbien ist kein Feiertag, Weihnachten hat noch nicht stattgefunden. Hier ist “Hl. Abend” erst am 6. Januar, der erste Weihnachtsfeiertag demzufolge der 7. Januar. Heute ist also ganz normaler Arbeitstag. Gut für uns, die Geschäfte sind offen und wir können bisschen was einkaufen. Die Strecke nach Novi Sad ist eintönig, potteben und Kurven Mangelware.
Novi Sad bringt uns dafür neben einer fantastischten Ansicht von der Festung auch rekordverdächtige Temperaturen: 21,5°C!! Es ist echt kaum zu glauben! Über Indija und Nova Pazova fahren wir mehr oder weniger im Konvoi mit tausenden von anderen Fahrzeugen Richtung Beograd. Die serbische Hauptstadt entpuppt sich für uns mit ihren 1,55 Millionen Einwohnern als echter Moloch. Wir haben den Eindruck, dass alle Bewohner gerade unterwegs sind, mindestens die Hälfte dabei mit ihren Autos. Wir schlagen uns an die Donau durch und machen ein Brotzeitpause. Die Metropole ist uns echt zuviel, und wir wollen nur wieder raus. Das zieht sich allerdings über eineinhalb Stunden im Stopp-and-Go-Verkehr, bis wir endlich die letzten Ausläufer von Belgrad verlassen.
Mittlerweile ist es fast halb fünf und schon dunkel. Die Suche nach einer Übernachtung ist jetzt auf dem Land auch nicht erfolgreich. Wir werden nach Smederevo verwiesen. In der Dunkelheit gestaltet sich die Fahrt dorthin als recht abenteuerlich: Schlaglöcher von beachtlichen Ausmaßen, plötzlich aus dem Nichts auftauchende Fußgänger und Radfahrer ohne jegliche Beleuchtung fordern höchste Konzentration. In Smederevo finden wir dann nach einigem Hin und Her und vielfacher Fragerei eine perfekte Unterkunft: Ganz in Zentrumsnähe gibt’s die Hotel-Pension “MIR”. Tanja, die Chefin, macht uns einen zivilen Preis und bietet uns dafür ein großes, sauberes und schönes Zimmer!
Um die sichere Unterbringung unserer Motorräder kümmert sich der Nachbar Dobrica Micojkovicz. Der Betreiber einer Schieß-Schule (!) stellt uns seinen Ladenraum, der gerade renoviert wird, als Garage zur Verfügung und zeigt uns dann voller Stolz sein Waffenarsenal: Von der 45er-Magnum bis zur Pumpgun reicht das Spektrum…
Wir genehmigen uns in der “MIR”-Küche noch ein gemütliches Abendessen und hoffen, dass morgen der Termin mit den örtlichen Medien bestätigt wird.
Das Vorhaben!
Frühling?
by Wiethase on Dez.24, 2009, under Projekt
Bei plus 4 Grad starten wir in Dunaujvaros Richtung Süden. In Paks sehen wir uns die Holzkirche an und sind begeistert (besonders ich als Bildhauer), dann geht es weiter durch die Hochebene, vorbei an Dörfern, die teils verlassen scheinen und die typisch wie alle postsozialistischen Straßendörfer sind: kleine Häuser mit etwas Gemüsegarten am Haus und Federvieh. Dahinter die endlosen Kombinatsfelder… Am Nachmittag sind wir in Mohacs und folgen einem Schild, das Privatbetten bei Familie Lang anzeigt. Wir mieten uns bei dieser deutschstämmigen Restfamilie ein und sogar zu einem zivilen Preis… Meine KTM schluckt um einiges mehr als die BMW von Andreas (6 bezw 7,8 Liter/100km)… Und dann düsen wir am folgenden Morgen weiter Richtung Kroatien. Hier sind die Dörfer noch ärmlicher als in Ungarn, dafür sind mehr neue Hinweisschilder zu sehen. Der Tourismus scheint auch hier als Devisenbringer langsam Einzug zu halten. Es wird immer wärmer und bei frühlingshaften 18 Grad machen wir Station in Bukovar, das vom Krieg noch stark gezeichnet ist. Dann geht es weiter und wir beschließen, die Nacht noch in Kroatien zu verbringen. Beim Dunav Hotel in Ilok, einer schönen Anlage an der Donau, fragt Andreas nach Sponsoring unserer Mission und findet gleich bei Zeljka und Renato Kovcalija offene Ohren: wir können hier auf Kosten des Hauses übernachten und speisen. Die Getränke gehen auf unser Konto, was sehr großzügig ist! Kurz nach unserem Einchecken machen wir noch mit dem wahrhaftigen Agrarminister Kroatiens, Petar Cobankovic, einem Freund des Hoteliers, Bekanntschaft. Den Weihnachtsabend in so einem sympathischen Rahmen zu verbringen finden wir beide äußerst angenehm. Reisenden, die in diesen entlegenen Zipfel Kroatiens kommen, kann man das Hotel bestens empfehlen. Wir freuen uns schon auf das “Abendmahl” !!!
Das Vorhaben!
FROHE WEIHNACHTEN!!
Von der “Perle” auf die Bikes!
by Andreas on Dez.22, 2009, under Projekt
Hendrik manövriert unser “Donauperle” echt als Eisbrecher in den kleinen Privathafen, aber nach einigen Versuchen inklusive Eishackerei schaffen wir es anzulegen. 09.00 Uhr: Das war’s dann für die “Perle”! Jetzt haben wir allerdings einiges zu tun, um unsere “Perle” verlassen und auf die Motorräder umsteigen zu können. Man glaubt es kaum, was wir alles dabei haben und jetzt aussortieren müssen, um den deutlich geringeren Platz auf den Motorrädern wirklich nur mit dem Wichtigsten zu füllen!
Eine echte Aufgabe ist es zudem, die Motorräder erstmal von unserem Schiff zu bringen! Dank der Hilfe von Steven, der der “gute Geist” dieses Privathafens ist, bekommen wir unsere zwei “Dickschiffe” auf die Anlegerstege und von dort auch noch über die Slipanlage auf festen Untergrund – eine echt heftige Aktion: Kalt, die Stege rutschig, die Slipanlage sowieso – eine haarige Kombination aus Balance- und Kraftakt!
Die Bikes sind jedenfalls sicher an Land und wir packen alles soweit zusammen, dass wir los können. Steven bekommt unsere noch ziemlich umfangreichen Lebensmittelvorräte, die wir einfach nicht mitnehmen können. Es zieht sich, bis wir die “Perle” überwinterungsfähig hinterlassen können und alles auf den Motorräder verstaut haben. Aber irgendwie kriegen wir auch das hin. Ein letzter Blick auf das Schiff, das uns doch mehr als eine Woche Transportmittel und Zuhause war – und dann starten wir die Bikes. Es ist mittlerweile schon 15.00 Uhr, und die Temperaturen für uns schon angenehme plus drei Grad erreicht.
Die Zufahrt zum Hafen ist komplett verschneit, so dass die Fahrerei ein echter Eiertanz wird. Prompt haut’s mich bereits nach 100 Metern hin – die Reifen sind einfach nichts für den Schneeeinsatz! Hendrik hat auf der KTM deutlich mehr Enduroprofil, hat’s aber dennoch ebenso nicht einfach, die Kiste auf der Schneepiste zu balancieren. Glücklicherweise ist dieser Zufahrtsweg nach zwei, drei Kilometern vorbei und wir kommen auf eine schneefreie Hauptstraße. Dort steuern wir erstmal eine Tankstelle an, machen unsere Kisten voll und düsen mittlerweile bereits in Dunkelheit auf der Nationalstraße Nr. 6 parallel zur Donau Richtung Süden.
In Dunaújváros finden wir in Zentrumsnähe eine preisgünstige Absteige, das “Dunaferr Hotel”, das die Bezeichnung Hotel nicht wirklich verdient, dafür aber den ganzen Charme der sozialistischen Ära versprüht: Ein “Hotel” aus den 60iger Jahren, das genau dort geblieben ist! Egal, es gibt warmes Wasser und Etagenduschen. Miklós an der Reception ist sehr hilfsbereit und sorgt dafür, dass wir unsere Motorräder beim deutlich feineren Nachbarhotel, dem “Klub Hotel”, auf dem Parkplatz sicher abstellen können. Dort haben wir auch Internetzugang und können wieder Neuigkeiten in die Welt setzen …!
Morgen wollen wir weiter parallel der Donau gen Süden; mal schauen, ob wir dann über Serbien oder nach Kroatien weiter fahren …? Aber ihr werdet es bei nächster Gelegenheit erfahren!
Das Vorhaben!
Weiter nach Budapest
by Wiethase on Dez.22, 2009, under Projekt
In Esztergom brach (waren es die minus 16 Grad?) das halbe Stromnetz zusammen und damit auch die halbe Stromversorgung der Internethotels, von dem aus wir das Donauabenteuer füttern… Zurück im Schiff schalten wir den geschenkten Radiator (Frostwächter) an und gehen in der Annahme zu Bett, dass das schon für den Motor genügen dürfte. Um 5.30 fahre ich auf und frage Andreas, ob der Radiator noch heizt. Er heizt nicht, also raus aus den Schlafsäcken und an die Arbeit. Den Ausfluss auftauen und den Motor starten… alles klappt… dann geht Andreas noch ins Internet und ich leg mich noch mal aufs Ohr. Die Träume waren voller Chaos und Schiffsunglücke… Die reale Fahrt begann mit Eisschollen und Sturm. Die Wellen schlugen hoch bis an den Führerstand und uns wurde mulmig ums Herz…. Als sich der Wind dann legte, sprach ich aus, was wir beide uns dachten: beim nächsten „Unglück“ verlassen wir diese Perle… Der Motor stotterte und lief unrund, aber nach dem ich etwas langsamer fuhr, schnurrte er wieder wie ein Kätzchen… und wir waren wieder mit unserem Glück versöhnt. Budapest ist auch vom Wasser aus ein erhebendes Erlebnis. Wir steuerten am Ende der Stadt einen Schutzhafen an und als ich die Donauperle abbremsen will, stirbt der Motor ab. Ich starte wieder im Vorwärtsgang, der Motor läuft, aber beim nächsten Versuch, den Rückwärtsgang ein zu legen, stirbt der Motor wieder ab. Der Hafen ist verwaist und vereist. Ich stapfe los, um eine Erlaubnis zu bekommen, hier zu überwintern (wir haben die Nase voll vom Schiff). Eine Odyssee von einer halbverantwortlichen Dame, die nichts entscheiden kann, zur Polizei, die alles gestatten, bis zum Wärter, der uns nahe legt, den Hafen bis morgen Früh zu verlassen. Ich hantiere noch etwas am Motor herum und bringe dadurch den Rückwärtsgang wieder zum funktionieren. Am Morgen darauf dampfen wir wieder weiter… nach 12 Kilometern erreichen wir einen kleinen Hafen, den wir erst mal als Eisbrecher frei machen und legen dort endlich an. Ich wintere das Boot ein und wir berapppen 200 € Liegegebühr bis Ende Februar.
































































































